Können unterschiedliche Formen auch ­unterschiedliche Wirkungen hab?

Auf der Basis des Bouba-Kiki Effekts wurden Schriften mit harten und weichen Kontureigenschaften entwickelt. Diese sind wie bei einer ­Monospace-Schrift auf dieselbe Breite und Höhe gesetzt, sodass sie sich bei der Eingabe mit den benachbarten Zeichen verbinden. 

Hier spielt einerseits die sehr individuelle Wirkung von harten, kantigen Formen und weichen, abgerundeten Konturen eine Rolle. 

Wolfgang Köhler führte 1929 ein Experiment zur Anmutung von Sprache und Formen durch, in dem die zackigen und abgerundeten Formen den fiktiven Namen „Kiki“ und „Bouba“ zugeordnet werden sollten. 95 % der Probanden ordneten die weiche Form dem ­Begriff Bouba (bzw. Maluma) und die harte Form dem Begriff Kiki (bzw Takete) zu – ein Ergebnis, das Ramachandran und Hubbard in späteren sprach- und altersübergreifenden Studien belegten. 

Doch wie kommt es dazu, dass wir die plosiv ausgesprochenen Wörter und solche mit mehreren Vokalen den entsprechenden Formen zuordnen? Um dies zu untersuchen, wurden in diesem Experiment Schriftschnitte mit weichen, harten und gemischten Anmutungen entworfen. Die Zeichen beruhen auf intuitiven Formen und lassen somit keine Rückschlüsse auf die phonetische Entsprechung zu – dadurch soll die reine Wirkung der Form untersucht werden.

Zusätzlich ergibt der Textkörper bei der Eingabe eine eigene Form bzw. Textur, die sich mit jeder Eingabe ändert. Die Gesamtform bleibt dadurch variabel und enthält harte und weiche Variationen. Hier kann somit einerseits die Wirkung der einzelnen Zeichen, aber auch die eines gesamten „Text“-Geflechts betrachtet werden.